Authentisch sein

Wie Du Dir erlaubst Du selbst zu sein

Am Ende Deiner Reise
wirst Du nicht gefragt:
“Bist Du ein Heiliger geworden?”, oder:
“Hast Du für das Heil der Menschen gekämpft?”
Die einzige Frage, die Du
zu beantworten hast, ist:
“Bist Du Du selbst geworden?”
(Lao-Tse)

Sicherlich kennst Du das auch von Dir: Die immer wieder auftauchenden, nicht zur Ruhe kommenden Gebote, Ideale & Ansprüche an Dich selbst: "Ich sollte..., "Ich müsste...". Es scheint nie genug zu sein. Diese Ideale überdecken Deine wahren Bedürnisse und sorgen dafür, dass diese in den Hintergrund treten. 

Doch was geschieht genau, dass Du Deine wahren Bedürfnisse nicht mehr wahrnimmst und lebst - im Sinne von "Ich möchte..."?

Folgendes persönliches Beispiel macht sicher deutlich, wie aus einem Wunsch ("Ich möchte") ein Anspruch ("Ich sollte") wird und was dadurch passiert:
Da ich längere Zeit nicht mehr regelmäßig Sport gemacht hatte und körperlich fitter werden wollte, nahm ich mir vor täglich Sport und Gymnastik zu machen. Die ersten Tage war ich voller Elan mit dabei und spürte schon, dass ich länger nichts getan hatte und dass ich an meine Grenzen kam. Es tat mir aber insgesamt gut. Dann merkte ich, dass aus dem Wunsch "Ich möchte täglich Sport machen" allmählich ein "ich sollte/ich muss..." wurde.
Was hat sich da innerlich bei mir verändert? 
Es fühlte sich plötzlich an wie eine Pflichterfüllung, so wie man das früher aus der Schule kennt. Die Freude und Motivation nahm durch das "Ich sollte" und den damit verbundenem Druck ab. Und wenn ich dann an manchen Tagen sportlich nichts gemacht hatte, kamen Vorwürfe, weil ich es wieder nicht geschafft hatte. Du kennst das sicherlich wie die meisten anderen auch, dass man sich gegen das wehrt was man tun "sollte". 

Die Psychoanalytikerin Karen Horney sagte zu diesem Thema, dass das Hauptproblem darin liege, dass aus dem Wunsch überhaupt ein Anspruch geworden ist. Also etwas, dass ich einzulösen habe, anstatt als ein Wunsch an mich selbst zu bleiben. Etwas, was ich gerne verwirklichen möchte. 

Mit der "Polaritätsübung" entdecken, was Du Dir wirklich wünscht
Für dieses Anliegen gibt es eine sehr gute Übung aus der Gestalttherapie, mit der ich regelmäßig arbeite und sehr befreiende Erfahrungen (sowohl für mich selbst als auch in der Begleitung von Klienten) gemacht habe. Diese möchte ich an dieser Stelle gerne mit euch teilen: Die sog. Polaritätsübung („Topdog-Underdog-Polarität“) nach Fritz Perls.
Doch kurz zurück zum Beispiel: Auf der einen Seite bestand bei mir die innere Forderung „Du solltest jeden Tag Sport machen!“. Bei einem solchen Anspruch ist nicht mehr ganz klar, ob ich ihn überhaupt machen möchte. Solange ich aber die innere Haltung habe, dass ich ihn machen möchte, kann es noch eine andere Stimme geben, die sagt: „Nein, ich fange erst einmal klein an und mache 3 x die Woche Sport und schaue wie es mir damit insgesamt so geht, ohne mir dabei Druck zu machen“.
Dann gibt es zwei innere Stimmen und Seiten, jedoch keinen Streit und Kampf. Und ich kann dann für mich in aller Ruhe abwägen.

Wobei unterstützt die Polaritätsübung und welche Wirkung hat sie?
Du kommst durch sie von Deinem inneren Konflikt (und entsprechenden Forderung) zu den damit verbundenen, verdrängten Gefühlen, die nun sichtbar werden und zum Ausdruck kommen können.
Die Energie beider Seiten (Top- und Underdog) kann sich so auf das richten, was Du Dir wirklich wünscht und möchtest. Also Deinen wahren Bedürfnissen entspricht.
Sie ist überall sinnvoll, wo Du innerlich Konflikte allgemein für Dich klären möchtest. Und wenn zwei unterschiedliche Standpunkte zu einer Lebenssituation entstanden sind und Du gerade keine Lösung findest dies zu klären, blockiert bist weitere Schritte zu gehen.

Anleitung zur Übung
Nimm Dir ein Blatt und teile es in zwei Seiten auf: Die eine ist für den "Topdog", die andere für den "Underdog". In die Überschrift schreibe jeweils nur die Sätze auf, die den inneren Dialog von „Du solltest“ und „Ich würde gerne, aber...“ bilden. Darunter notiere die verschiedenen Argumente die auftauchen, während jede Seite sich auf die andere bezieht und ihr antwortet.

Du solltest jeden Tag Sport machen! (Topdog)                  Ich würde ja gerne, aber ich fühle mich heute zu schlapp! (Underdog)

  • Wichtig dabei ist, dass Du Dir ausreichend Zeit nimmst, wichtige Gefühle zu entdecken, die jeweils mit den Seiten zusammenhängen.
  • Du kannst diese Form des Dialogs mit ganz unterschiedlichen Top-Underdog-Themen führen und ihn in der gleichen Weise aufschreiben.
  • Sicherlich wirst Du dabei ein wiederkehrendes Muster erkennen, wenn Du alles im Zusammenhang liest.

Welche Kämpfe zwischen Top- und Underdog hast Du in Deinem Alltag? Bei welchen Themen taucht er vorrangig auf? Ich freue mich über's Teilen Deiner Erfahrungen!

Ich freue mich über Deinen Kommentar

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